Geschichte des Moosteufels


Der "Moosteufel" von Hänner war ein ganz besonderes Original des Hotzenwaldes. Sein eigentlicher Name war Eckert. Er soll zwischen 1860 - 1865 geboren sein. Der genaue Geburtstag wurde nicht überliefert.

Er wohnte ursprünglich "im Moos" zu Hottingen in einem Strohhaus, und erhielt daher, zumal er früher ein sehr gefährlicher Geselle war, den Namen "Moosteufel". Er war dort verheiratet, hatte eine rechte Frau und rechte Kinder, die es aber bei ihm nicht lange aushielten. So lebte er in seiner verlotterten, verwitterten und verrußten Strohhütte. Diese hatte er aber im "Suff" angezündet, worauf er in späteren Jahren seinen Wohnsitz nach Hänner verlegte.

Der "Moosteufel" war ein starker Verehrer der "Hotzenblitz-Romantik". Wie man erzählt, soll er öfters dabei gewesen sein, wenn in eine Strohhütte der "Hotzenblitz" hineinfuhr. Er war der Meinung: "Der alte Chrache dät emol en warme Rege guet!" oder "Me sätt die Chripfe mit Schwefelhölzli untersperre!". Wenn man ihn nach dem Hotzenblitz fragte, sagte er mit unheimlicher Baßstimme, die aus einer anderen Welt zu kommen schien: "Uf aimol chunnt´s, uf aimol isch´s do, uf aimol brennt´s, me cha verdaschi nüt dafür!"

Im ganzen Murgtal weckte er bei all denen Angst und Schrecken, die ihm des Nacht´s begegneten. Auf seiner wuchtigen Nase hatte er eine dicke Hornbrille, die in ihrer Größe nur von seinem mächtigen Schnurrbart übertroffen wurde. Der Kopf war mit einem alten zerfetzten und verstaubten Schlapphut bedeckt. Über seinem zerlumpten Kittel trug er auf einer Seite seine Vespertasche, was man früher als Brotsack bezeichnete. Der Moosteufel aber nannte sie kurz "Freßdäsche". An einer mächtigen Kette, die beinahe so groß wie eine Wagenkette war, hing eine Uhr, die ihrer Größe nach eher ein Wecker sein konnte. Kam man auf einer Wanderfahrt durchs Murgtal an ihm vorüber und fragte nach der Uhrzeit, so gab er bereitwillig Auskunft.

Ging er selbst auf Reisen, etwa nach Murg oder nach Säckingen hinunter, so machte er sich "flott" - zog seine hohen Rohrstiefel und seinen besseren "Tschopen" an, hing seine "Freßdäsche" zur Seite und ergriff seine unentbehrliche Hotzenflinte. Mit seinem Pfeifchen unter der Nase walzte er mit großen Schritten "i´s Tal" hinunter.

Von Beruf war er Steinhauer und nebenberuflich Jägersmann. Die Steineklopferei betrieb er im Murgtal, wo man ihn jahrzehntelang antreffen konnte. Daneben war er auch der Jagd sehr zugetan. In "seinem Revier" kannte er sich sehr gut aus und wusste über seine "Geißen" und Rehböcke genau Bescheid. Hatte er dann einen schönen Bock geschossen, so pflegte er seine Suppe für acht Tage im voraus zu kochen. Sonst aber war er äußerst anspruchslos und genügsam.

Er war eine urwüchsige Gestalt, die die Freiheit der Wälder und Berge liebte, sich um Kultur der Menschheit, um Recht und Moral wenig kümmerte, und dessen Wesen in der wildschönen Naturwelt des Murgtals ganz aufgegangen war.

Wild, stürmisch und unabhängig wie die Wasser der Murg, hart, schroff, naturecht und wuchtig wie die Felsenhänge, so ist auch die Art des Moosteufels, dieses urigen und sonderlichen "Waldgeistes vom Murgtal".

Es lebt zwar etwas Dämonisches in seinem Blute, man denkt an Gestalten, wie sie Droste-Hülshoff in ihrer "Judenbüche" geschildert hat, aber er war und blieb, trotz seiner Mängel, ein uriger Hotzenwälder.

Das genaue Sterbejahr des "Moosteufels", diesem Original der Wälder und Berge, ist nicht bekannt. Man schätzt das Todesdatum um das Jahr 1920.